ISO 8015 GPS: Wie kam es dazu?

Was haben sich die von der Norm nur dabei gedacht? Viele fragen sich das möglicherweise, wenn sie das erste Mal mit der Norm ISO 8015 in Berührung kommen. Plötzlich findet man auf der Zeichnungen Abkürzungen wie GG, E, LP, SA, CZ und so weiter.

Um zu verstehen wieso diese Norm notwendig wurde und wie man die Norm in der Praxis umzusetzen soll, ist es von Vorteil, wenn wir betrachten wie es zu dieser Norm gekommen ist.

Begeben wir uns gedanklich zurück in die Zeit kurz nach 1900. Die Möglichkeiten in der Fertigung sind soweit fortgeschritten, dass sich bereits relativ genaue und präzise Teile anfertigen lassen. Nur von einem einheitlichen Toleranzsystem ist man noch weit entfernt. Nur einzelne Firmen haben bereits eigene Toleranzsysteme entwickelt.

Unsere heutigen Normen für Form und Lagetoleranzen stammen aus den 80er Jahren. Das zeigt, die ganze Entwicklung im Bereich dieser Normen ist noch sehr jung. Darum ist es auch nicht aussergewöhnlich, dass es hier noch einiges an Veränderungen gibt, auch in der Zukunft.

Die Entwicklung der Technik zu immer höherer Leistungen, höheren Wirkungsgraden, geringeren Umweltbelastungen, grösseren Zuverlässigkeit, erfordern vollständige und funktionsgerechte Tolerierungen.
Mit den Tolerierungen sind auch die Anforderungen an die Messtechnik gestiegen. Das hat sich auch durch die Entwicklung neuer Messverfahren bemerkbar gemacht. Optisch-Taktile Messungen sind heute in der Lage ein Werkstück bis ins kleinste Detail zu vermessen. Und das mit einer Präzision im Tausendstelmillimeter.

Eine vollständige Bemassung bedeute, dass die Geometrie des Werkstückes vollständig bemasst und toleriert ist. Nichts darf unbestimmt und dem Urteil des Herstellers oder des Prüfers überlassen bleiben.
Dieser Interpretationsspielraum kann sich verehrend auf die Funktionalität des Produktes auswirken.

Nun stellt sich die Herausforderung diese eindeutige und unmissverständliche Definition eines Werkstückes so einfach und übersichtlich wie möglich auf das Zeichnungspapier zu bringen.

Hier kommt eine weitere technologische Entwicklung ins Spiel: rechenunterstützte Systeme für Fertigung und Qualitätssicherung (CAM, CAQ) Um die Norm für das Bestimmen der Geometrie und Funktion eines Werkstückes in diese computergestützten Systeme zu intergrieren wurde die Norm ISO 8015 nicht mehr Anhand von Beispielen erklärt sondern auf der Grundlage von Regeln formuliert. Damit können die in rechengestützte Systeme intergriert werden.

Quelle: https://www.swissmem-berufsbildung.ch/

Damit schliesst sich der Kreis von der Entwicklung, Produktion und Qualitätssicherung zurück zur Entwicklung. Nur so wird garantiert, dass jeder Beteiligte im Prozess der Fertigung das gleiche denkt, will und danach handelt.

Wir sehen also, der technische Fortschrit in allen Bereichen hat zur Norm ISO 8015 GPS geführt.

Wie es zu dieser Norm gekommen ist verstehen wir jetzt. Aber wie lassen sich Zeichnungen nach ISO 8015 entziffern? Das ist einfacher als man denkt. Es ist wie mit dem Erlernen einer Sprache. Nur dass man einen viel kleineren Wortschatz lernen muss. Und hat einmal die ersten Begriffe verstanden, dann erlernt man den Rest spielend. Worauf ist beim lesen einer Zeichnungen nach ISO 8015 zu achten? Dazu widmen wir uns in einem nächsten Blog.

2 Gedanken zu „ISO 8015 GPS: Wie kam es dazu?“

  1. Ich suchte eine einfache Erklärung zu ISO GPS. Diese Erklärung ist einfach weil sie nicht mit vielen Fachbegriffen erklärt ist. Mir hat es geholfen. Vielen Dank!

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  2. Rückblickend eine sehr interessante Frage:
    Warum hat man im Laufe der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts mit den Arbeiten an der ISO GPS angefangen (und 2011 scharf geschaltet)?

    … wenn es in Amerika mindestens mit der „USASI Y14.5-1966“ bereits jahrzentelange Praxiserfahrung gab?
    … wenn die USA zwar weiterhin ihre ASME bis zur heutigen Y14.5-2018 exklusiv nutzt und über ihre Mitgliedschaft in der ISO die ISO GPS mitbestimmt?
    … die industrielle Nutzung der ISO GPS durch mehrfache – und nicht enden wollende – Defaultänderungen massiv erschwert – sogar praktisch unmöglich gemacht wird.
    … das von der ISO GPS hochgehaltene „Unabhängigkeitsprinzip“ zu einer massiven Verkomplizierung der Regeln führt (ASME nutzt das „Abhängigkeitsprinzip)
    … „Unabhängigkeit“ sich angesichts der zahlreichen Abhängigkeiten von Naturfunktionen als Mogelpackung erweisen muss
    … „Abhängigkeitsprinzip“ begrifflich irreführend zur standardisierten Verknüpfung der linearen Größenmaße „Zylinder“ und „Paralleles Ebenenpaar“ mit einer Passungsfunktion in der Naturfunktion eingesetzt wird – was bemerkenswerter Weise weiterhin eine sehr effiziente Arbeitsweise zur Produktspezifikation darstellt!

    Ergebnis bis zum heutigen Tag ist, dass die ISO GPS in der Industrie weder breit angewendet wird, noch auch nur ansatzweise angemessen verstanden wird. So fehlt geeignete Fachliteratur für den Konstrukteur (also für denjenigen, der die Erstinformation im Produktentstehungsprozess erstellt). Da können die zahlreichen Bücher „von und für“ Meßtechniker nicht helfen. Zuletzt bleibt völlig unbeachtet, dass eine ISO GPS für die essentielle Fertigung immer umgearbeitet werden muß: Normung, Fachliteratur und Anwendungserfahrung fehlt heute in der Industrie aus meiner Sicht komplett. Denn: Fertigung = Verifiaktion + Fertigungsprozess + Fertigungssteuerung! Alles Aufgaben, die alleine mit einer Erst-ISO-GPS des Konstrukteurs nicht abgearbeitet werden können.

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